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Präsidentin Tsai: Verfolgung von Wohlstand und Gerechtigkeit erstrebenswertere Ziele

28-02-2017
  • Präsidentin Tsai Ing-wen

    Präsidentin Tsai Ing-wen

    (Foto: CNA)

Taipei – 28. Februar  2017  -  Bei ihrer Gedenkrede zum 228-Zwischenfall sagte Präsidentin Tsai Ing-wen, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit auf Versöhnung und nicht auf Streit abziele.

 

Nur wenn die Vergangenheit entsprechend aufgearbeitet werde, könne Taiwan weiter fortschreiten, sagte Tsai. Sie wandte sich damit auch an Kritiker, welche eine Fokussierung der Regierung auf die Wirtschaftsentwicklung forderten.

 

“Ohne die Wahrheit wird das, was vergehen soll, niemals vergehen. Die Wirtschaft anzukurbeln ist wichtig, doch ebenso wichtig ist Gerechtigkeit. Ein Land, in dem Wohlstand und Gerechtigkeit bestehen, ist das für uns erstrebenswertere Ziel. Das Ziel der Vergangenheitsaufarbeitung ist Versöhnung und nicht politischer Konflikt“, sagte Taiwans Präsidentin.

 

Bei dem 228-Geschehenl löste ein Zwischenfall in Taipei am 28. Februar 1947 tumultartige Proteste der taiwanischen Bevölkerung gegen die Machtausübung der gerade vom Festland übergesiedelten Truppen der Regierung der Kuomintang-Partei aus, die sich über das ganze Land ausweiteten. Im weiteren Verlauf kam es zu Säuberungsaktionen und politischer Verfolgung, einer Phase, die als "Weißer Terror" bezeichnet wird. Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt, Geschichtsforscher gehen davon aus, dass etwa 20.000 Personen dabei ihr Leben verloren.

 

Tsai versprach eine sorgfältige Aufarbeitung des unter dem bis 1987 bestehenden Kriegsrechts verschwiegenen Vorfalles und der späteren Phase des „Weißen Terrors“, der politischen Verfolgung unter der Ein-Parteien-Herrrschaft der damaligen KMT-Regierung.

 

Geplant sei dafür ein Gesetz zur Vergangenheitsaufarbeitung und die Einrichtung einer unabhängigen Regierungsbehörde, wobei man mit aller Vorsicht vorgehen wolle.